Motorrad angetestet: Buell 1125R

Tradition?

Was bedeutet schon Tradition, wenn doch sogar Harley kurzerhand dem 45° luftgekühlten V2 einen wassergekühlten Kraftprotz mit 60° Zylinderwinkel zur Seite stellen kann, der sich zu allem hin auch noch richtig gut auf dem europäischen Markt absetzt. So oder so ähnlich könnte man wohl in Wisconsin bei Buell gedacht haben, als man sich an die Planung der 1125R gemacht hat, die erstmals von einem wassergekühlten Rotax-Motor angetrieben wird statt der bisher stets verwendeten luftgekühlten Harley V2. Natürlich, an denen hat man technisch richtig viel gemacht, so dass sie im Ergebnis je nach Hubraum bis an die 100 PS leisteten und erst bei um die 7.000 U/min abriegelten. Im Grundsatz waren es aber die rumpelnden 45°-Dinger, natürlich luftgekühlt, die eine Buell zu dem gemacht haben, was sie ist. Da hat’s im Stand gerappelt und geschlagen, da gab’s von unten raus richtig Schmackes und der bollernde Sound war ein Genuss für die Ohren. Klar, mit der Drehfreude war das so eine Sache. Zweiventil-Langhuber sind eben für etwas Anderes konstruiert.

Und damit ist jetzt Schluss.

Jedenfalls in der 1125R, die anderen Buell-Modelle behalten den „klassischen“ Motor. Die ist ganz untypisch brav im Stand, mit einem Motor, der nur durch leichtes Vibrieren, vor allem aber einem aufgeregten Rasseln auf sich aufmerksam macht. Ist da etwa eine Ducati unterm Hintern? Nicht ganz. Genau genommen eigentlich gar nicht, auch wenn ein Kombiinstrument von Magneti Marelli und ein Zündschloss von Zadi aus demselben Land kommen. Von der Leistung und dem Drehzahlniveau kommt’s aber jedenfalls schon mal hin. 150 PS und fünfstellige Touren wären mit einem Evolution-Engine aus Milwaukee nicht so einfach drin gewesen. Ein kurzer Zug am Gasgriff und der Kurzhuber dreht mit einem heiseren Röcheln blitzartig in den Begrenzer – und genauso schnell ist er auch wieder im Leerlauf. Das kennt man so gar nicht von Eric Buells Maschinen. Deshalb gestaltet sich das Anfahren etwas mehr in Richtung Japan und Italien, soll heißen: wer richtig angasen will, muss später als bei den anderen Wisconsin-Sportbikes einkuppeln. Vielleicht kommt auch deswegen die Kupplung erst so spät. Sie trennt jedoch exakt und ist mit wenig Handkraft zu bedienen. Der erste Gang des Fünfganggetriebes schlägt satt ein und wird mit einer Bewegung nach vorne quittiert. Und dann geht’s los!

Erster Gang, zweiter, dritter, vierter…

Das Ding stürmt wie eine Rakete nach vorne, jedenfalls solange man das Vorderrad am Boden halten kann. Die Gänge schalten sich leichtgängig und kaum hörbar durch, ganz anders als der Motor, dessen Geräuschkulisse alles andere als zurückhaltend ist. Dumpfes, bassiges Stampfen bleibt allerdings den luftgekühlten Buells vorbehalten. Diese hier bewegt sich klanglich in ganz anderen Welten und geht eher in Richtung dessen, was man aus Fernost und Europa so kennt. Da stellt sich dann direkt die Frage: wenn schon der Motor kein Alleinstellungsmerkmal ist, was macht die Buell dann einzigartig?

Ihr Design macht sie einzigartig

Auch wenn die Scheinwerferform etwas an die R1 erinnert. Wuchtig kommt sie allemal daher, vor allem noch mit den beiden Kühlerverkleidungen. Das mit der Xb9R 2002 eingeführte Rahmen- und Schwingen-Design wird auch für 1125R beibehalten – wobei „Rahmen“ es nur teilweise trifft. Denn dessen Hohlkörper dient zugleich als Tank, so wie sich in der Schwinge das Ölreservoir befindet. Im Ergebnis hat das einen tieferen Schwerpunkt zur Folge, und das wiederum dient der Handlichkeit. Eine weitere besondere Lösung ist die von anderen Buells bekannte Zero-Torsional-Load-Bremse, die in einer überarbeiteten Version zum Einsatz kommt. Statt zweier Scheiben wird eine verwendet, die außen an der Felge montiert ist. Das spart Gewicht und reduziert somit die ungefederten Massen. Natürlich sitzt auch diesmal der fette Endtopf unter dem Motor und wird ein Riemenantrieb verwendet. Der wiederum ist leise und wartungsfrei und dient weiterhin der Reduzierung von Lastwechselreaktionen.

Fakten

72°-V-Zweizylinder, 1.125 cm3, 146 PS bei 10.200 U/min, 111 Nm bei 8.000 U/min, Trockengewicht 170 kg

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  • leider keine für Buell